“UNS STINKT‘S“ in der Presse

Kölner Stadt-Anzeiger Samstag/Sonntag, 10./11. Dezember 2022 Zwischen Widerstand und Pragmatismus Bürger und Vertreter von Remondis diskutierten über die geplante Erweiterung des VZEK VON ULLA JÜRGENSONN Erftstadt. Es sollte ein runder Tisch sein, wurde aber nur ein halb - runder. Moderator Bernd Rupprecht prägte diesen Begriff, der sich schnell durchsetzte. Bürger und Vertreter von Remondis diskutierten über die Pläne zur Erweiterung des Verwertungszentrums (VZEK) - ohne die Stadtverwaltung und ohne offizielle politische Vertreter. Dieses Verfahren hatte die Mehrheit aus CDU, FDP und Freien Wählern im Stadtentwicklungsausschuss so beschlossen. Einzig die Fraktion Aufbruch '22 hatte dagegen gestimmt, Grüne und SPD hatten sich enthalten. Im VZEK wird Müll sortiert und verwertet. Seit das Entsorgungsunter- nehmen seine Planungen, vorgestellt hat, am Rande des Deponiege- ländes zwischen Köttingen und Liblar dafür neue Hallen zu bauen, sind viele Bürger vor allem in den beiden am meisten betroffenen Stadtteilen beunruhigt. Deshalb haben sie die Diskussionsrunde in ei - gener Regie organisiert. Nicolas Müller, Niederlassungsleiterbei Remondis, stellte den rund 50 Besuchern im großen Sitzungssaal des Rathauses das Projekt noch einmal vor. Nahe dem Gut Sophienwald soll in 20 Meter hohen Hallen vor allem das sortiert werden, was die Bürger in den gelben Säcken oder gelben Tonnen versenken. Ziel sei es, die Stoffe wiederzuverwen - den, um so Rohstoffe und vor allem CO² zu sparen. Die Kapazitäten des erweiterten VZEK seien nötig, um den Kreislauf zu schließen. Müller: ,,Am Ende soll aus einer leeren Zahnpastatube wie - der eine Zahnpastatube werden und keine Parkbank.“ Gegen den Standort hatte es schon früh Bedenken gegeben, Remon- dis hatte daraufhin die Planung insofern geändert, dass die benötigte Fläche quasi um 90 Grad gedreht wurde. Das soll es möglich machen, die Sortierhallen gleichzeitig als Lärmschutz in Richtung Köttingen zu nutzen. Dass die Sorgen damit nicht ausgeräumt sind, zeigte sich in vielen Wortmeldungen der Bürgerinnen und Bürger. Neben der Klage, dass wieder ein Stück Natur verloren gehe, wurde immer wieder die Belast- ung durch Lärm und Gestank ins Feld geführt. Nach der Erweiterung sollen im VZEK 360 Menschen im Drei-Schicht-System arbeiten also rund um die Uhr. Da sei in manchen Gebieten Köttingens an Schlaf wohl nicht mehr zu denken, fürchteten manche. Schumacher bemühte sich, die Bedenken zu entkräften. Die Last- wagen des Unternehmens bekämen neue Rückfahr-Warnsysteme, die nicht mehr schrill piepten, sondern eher quäkten. Die Hallentore öffne - ten und schlössen blitzschnell und lautlos, ein steter Luftstrom nach innen sorge dafür, dass kein Gestank nach außen dringe. Geschützter Wald Das änderte nichts daran, dass vielen der Anwesenden ein anderer, weiter nördlich gelegener Standort lieber wäre. Dort ist allerdings Wald, das derzeitige Plangelände liegt auf einem Acker. Der Schutz von Wald habe Priorität, sagte Müller. Er sehe keine Chance, die Rodung geneh - migt zu bekommen. Am Ende bleib die Haltung in der Zuhörerschaft gespalten. Während die einen Widerstand ankündigten und mit Klage gegen das Projekt drohten, plädierten andere dafür, im Gespräch mit Remondis das Beste für die Betroffenen herauszuholen. Viel Beifall gab es für eine Rednerin, die dringend appellierte, jeder solle versuchen, so wenig Müll wie möglich zu produzieren: ,,Es darf nicht sein, dass andere Länder an unserem Müll ersticken, weil wir es nicht schaffen, Verantwortung zu übernehmen." KOMMENTAR Das falsche Signal VON ULLA JÜRGENSONN zum runden Tisch ohne Politik und Verwaltung Eine gute Idee war das nicht, den runden Tisch zur Erweiterung des VZEK ohne Verwaltung und Politik stattfinden zu lassen und damit einen halbrunden Tisch draus zu machen. Denn das Schlimmste, was in einer Stadt passieren kann, ist, dass die Bürgerinnen und Bürger sich nicht wahrgenommen fühlen von denen, die über ihre Geschicke bestimmen. Und genau das wurde in der Debatte mehr als einmal beklagt. Andererseits war der Abend ein schönes, ein ermutigendes Beispiel dafür, was bürgerschaftliches Engagement bewirken kann. Dass eine Lösung gefunden würde, die alle zufriedenstellt, hatte niemand erwar - tet. Aber die Beteiligten sind von gegensätzlichen Positionen aus in den Dialog gegangen, und den haben sie - zumindest über weite Strecken - konstruktiv und sachlich geführt. Die Abwesenheit der Fraktionen (bis auf wenige Politiker, die im Publikum saßen) und der Verwaltung kam nicht gut an bei den Bürgern. Genauer: Es war ein fatales Signal. Wenn die Bürger die Probleme lösen müssen, brauchen sie keine Politiker mehr. Ursache des Gestanks gefunden Anlagen zur Kompostierung und Müllsortierung sowie das Eisenwerk verbreiten Gerüche VON ANDREAS ENGELS Rhein-Erft-Kreis/Hürth. Seit mehr als anderthalb Jahre häufen sich die Beschwerden über Geruchsbelästigungen im Raum Hürth, Brüht und Erftstadt. Auf der Suche nach den Verursachern vermelden die Behör- den nun einen Erfolg: Ein Großteil der beklagten Gerüche soll von einer Kompostier- und einer Abfallsortieranlage im Verwertungszentrum in Erftstadt sowie vom Eisenwerk in Brühl ausgehen. Bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Hürther Bürger- haus stellten Vertreter der beteiligten Behörden die Ergebnisse um - fangreicher Untersuchungen zur Ursachenforschung vor. Beteiligt waren unter Federführung der Bezirksregierung Köln seit Dezember 2021 auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), das NRW-Umweltministerium und der Kreis. Unter anderem wurden knapp 1100 Meldungen von 400 Beschwerde- führern, die von Mai bis September über das Internet eingegangen waren, ausgewertet. Es gab Ortstermine bei möglichen Verursachern. Zur Aufklärung der Beschwerden wurde eine großflächige Rasterbege- hungen organisiert. Außerdem waren 40 Geruchsmelder teils mit dem Fahrrad und einer Handy-App, zur Erfassung der Geruchseindrücke unterwegs. Die beklagten „ekelerregenden Gerüche" stellten die Profi-Schnüffler nach Angaben von Dr. Ralf Both vom Lanuv zwar nicht fest, wohl aber eine deutliche Geruchsbelastung in Brühl-Heide und vor allem in Alt- Hürth, wo die Gerüche an bis zu zehn Prozent der Jahresstunden wahrnehmbar seien. Damit würde die gesetzlichen Grenzwerte zwar knapp eingehalten. Dennoch sahen die Behörden Handlungsbedarf. Die Quellen für die fauligen und säuerlichen Gerüche entdeckten. die Behörden in einer Kompostieranlage der Firma Reterra und einer Sortieranlage für Hausmüll des Unternehmens Remondis. In den Verur- sacherbetrieben im Verwertungszentrum seien Mängel aufgedeckt wor - den, darunter große Löcher in einer Kompostierhalle, durch die Gerüche ins Freie hätten dringen können, berichtete Nicola Preuß, Dezernentin bei der Bezirksregierung Köln. Die Halle sei inzwischen saniert worden. Nachgebessert werden muss auch bei der Ablufttechnik und bei Biofiltern. Künftig will die Bezirksregierung die Anlagen jährlich statt alle drei Jahre überprüfen. „Wir haben unsere Lektion gelernt", beteuerte Unternehmenssprecher Michael Schneider. Die Mängel in einer Abluftanlage seien teils Folge eines Brandes gewesen. Schneider erklärte, dass die Öffnungszeiten der Tore bei der Anlieferung der Abfälle „drastisch reduziert" worden seien. Die metallischen und chemischen Gerüche gehen laut Untersuchung vom Brühler Eisenwerk aus. Dort werden 700 Grad heiße Motorblöcke unter freiem Himmel aus den Gussformen gelöst. Laut Thomas Terstappen von der Bezirksregierung kein neues Pro- blem: „Wir arbeiten seit längerer Zeit daran." Abhilfe soll eine neue Halle schaffen. Das Genehmigungsverfahren stehe vor dem Abschluss. „Die Bodenplatte ist bereits installiert", sagte der Geschäftsführer des Eisenwerks, Matthias Pampus-Meder. Die Anlage zur Abluftbehandlung sei technisch aufwendig, Auch der Mate- rialmangel sei ein Problem. die- Halle werde deshalb erst 2024 in Betrieb gehen. Aus den Reihen der Besucher der Infoveranstaltung gab es Kritik am Verfahren. Den Behörden wurde vorgeworfen, erst auf Druck aus der Bevölkerung tätig geworden zu sein. Vertreter der Bürgerinitiative „Uns stinkt's" bezweifelten zudem, dass tatsächlich alle Verursacher aufge - spürt worden seien. Einige Hürther hatten weiter den Chemiepark Knapsack als Geruchsquelle in Verdacht. Das schloss die Bezirksregie- rung aber nach dem Ergebnis der Untersuchung aus. KOMMENTAR Die Nase dran behalten VON ANDREAS ENGELS zur Aufklärung der Beschwerden über Gestank. Viel Aufwand haben die Behörden betrieben, um die Verursacher der üblen Gerüche ausfindig zu machen. Das Ergebnis überrascht wenig. Die Geruchsemissionen des Brühler Eisenwerks sind charakteristisch und wohl jedem in der Region bekannt. Und wer schon einmal seine Nase im Umfeld der Deponie Ville in den Wind gehalten hat, der konnte vorher schon auf der Verdacht kommen, dass die Gerüche nach Fäul- nis und Vergärung von dort herrühren. Dass die Quellen des schlimmsten Gestanks jetzt praktisch amtlich sind und dagegen vorgegangen wird, ist eine positive Nachricht. Im Fall des Brühler Eisenwerks wird schon länger daran gearbeitet, die Anlage auf den Stand der Technik zu bringen und Gerüche zu minimieren. Bei den Kompostier- und Abfallsortieranlagen in Erftstadt darf man sich aller-dings schon fragen, warum die Mängel den Behörden nicht früher aufgefallen sind und warum die Betreiber nicht eher etwas unternom - men haben. Die sollten die Schwachstellen kennen. Aber die Behörden müssen sich auch vorhalten lassen, erst auf Druck gehandelt zu haben. Das Lanuv räumt ein, dass die massiven Be- schwerden landesweit ohne Beispiel sind. Manher ist nun misstrauisch und fragt sich, wie es sich wohl mit Emissionen verhält, die nicht stin - ken. Aber auch das Geruchsproblem ist für viele nicht erledigt. Wichtig ist, dass Behörden das Thema jetzt nicht abhaken, sondern die Nase dran behalten. Leserbrief zum Artikel und Kommentar „Ursache des Gestanks gefunden“, KStA, 1 Dezember, 2022; S 29“ VON GRAHAM TOMLIN, Bürgerinitiative „UNS STINKTS“ Nach der Bürgerveranstaltung vom 29.11.2022 Ein Dankeschön an Andreas Engels für seinen guten Bericht und noch besseren Kommentar. Er schrieb, dass die bisher durchgeführten Maß- nahmen zur einem Rückgang der Belästigungen geführt haben, und dass ein Unternehmer in der „Bürgerveranstaltung“ sogar versicherte: „Wir haben unsere Lektion gelernt.“ Was als „Bürgerveranstaltung“ an - gekündigt war hatte Herr Engels korrekterweise „Informationsveranstal- tung“ genannt, denn der Abend hatte dasselbe Format wie im Feier- abendhaus am 26.04.2022. Da saßen auch Industrie und Behörden (aber ohne Lokalpolitik) oben, die Bürger unten. Auch im April waren die Bürger nicht Mitwirkende, sondern nur sekundäre Akteure, kaum mehr als Empfänger von Beiträgen von oben nach unten. Das Format ließ eine eingehende Behandlung von Bürgerfragen nicht zu. Der Abend im Bürgerhaus begann mit Verzögerung, wenn auch womöglich gut begründet. Aber auf anderen Bühnen sind bekanntlich Trump und Putin Meister im Warten Lassen („Honi soit qui mal y pense“). Bei der Suche nach Verursachern arbeiteten also Behörden und Indus- trie zusammen mit der dazu beauftragten Firma ANECO. Aber wo ge- nau der Schwerpunkt für ANECO lag ist nicht deutlich, denn auf der ANECO-Homepage wird nur der erfolgreiche Kontakt zwischen Behörden und Unternehmen als Ziel gesetzt. Vielleicht soll man das Wohl der Bevölkerung intuitiv auch als Ziel verstehen? In der Veranstaltung wurde das Agieren der Bürger als Initiatoren der Gestanksbekämpfung noch immer nicht erwähnt. Im Kommentar fragt Herr Engels zu Recht, warum die Mängel der Behörden nicht früher auffielen. Es wirkt so, als ohne das Agieren der Bürgerinitiative und Petitionsaktionen weder Behörden noch Industrie überhaupt reagiert hätten. Abgesehen von den wenigen Lokalpolitikern, die sehr aktiv in der Bürgerinitiative sind, hat man seitens der lokalpolitischen Vertreter so gut wie gar nichts gehört (auch wenn für die Politik der Balanceakt zwischen dem Wohl der arbeitgebenden und steuerabwerfenden Industrie und dem Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner nicht immer einfach ist). Zu Recht gab es Gelächter, als in der Veranstaltung suggeriert wurde, dass Bürger gewisse Belästigungen nicht richtig zuordnen. Man kann aber sehr wohl unterscheiden zwischen großflächigen und unmittelbar lokalen Belästigungen - weder die stinkende Mülltonne im Nachbars- garten noch der Nachbar, der in seiner Garage mit einer nicht überhör - baren Flex arbeitet, verursachen eine großflächige Belästigung. Erstaunlicherweise wurde auch festgestellt, dass um 3:00 Uhr am 17.06.2022 keine Beschwerden gemeldet wurden! Darüber hinaus ver - langt die Zuordnung der Geruchsarten (LANUV-Bericht Seite 4, Tabelle 1: Geruchsquellen) subjektive Urteile, die nicht zu objektiven Bewert- ungen führen können, denn, weiß der Durchschnittsbürger definitiv, ob „hausmüllartig“ oder „Fäulnis/faulig“ oder „Säuerlich/vergoren“ anders riecht als „Gärrest“ oder „Klärschlamm“? Dr. Ralf Both, LANUV, sagte in der Veranstaltung, dass die Gerüche die gesetzlichen Grenzwerte knapp eingehalten würden. Dann sind wohl die gesetzlichen Grenzwerte extrem reformbedürftig. Wenn sich die Politik hinter den schlechten Gesetzen versteckt, die sie selbst verab - schiedet, ist das halt wohlfeil. Vielleicht hat womöglich Dr. Both einen solchen Gestank zu Hause nie aushalten müssen. Die Veranstaltung erlaubte viel zu wenig Zeit für eine eingehende Behandlung des Fragenkatalogs der Bürgerinitiative. Der Fragenkata- log und der LANUV-Bericht können unmöglich an solch einem Abend für alle Beteiligten zufriedenstellend abgearbeitet werden. Wir brauchen also weitere Diskussionstermine, eine verständliche Kurzfassung des LANUV-Berichts, und genug Zeit für alle Betroffenen auf Fragen und Bericht auf Augenhöhe einzugehen. Fazit: Es scheint, dass etwas erreicht wurde. Aber, wieso blieben Indus-trie und Behörden so lange inaktiv? Haben denn nicht alle eine Nase? Ohne Beschwerden, ohne den Druck durch die Bürgerinitiative und die OpenPetition einfach ein „Weiter so“ – wie so oft? Der Gesetzgeber scheint noch immer nicht gelernt zu haben, dass Selbstkontrolle ohne den Druck von unabhängigen Regeluntersuch- ungen ein sehr ineffektives Konzept ist. Es blieb am Dienstag das Gefühl, dass sich die Behörden durch die massiven Beschwerden aus der Bevölkerung selber sehr belästigt fühl - ten, sogar dass das LANUV diese Beschwerden nicht allzu ernst neh - men wollte. LANUV steht für Landesamt für Natur, Umwelt und Ver- braucherschutz. Umwelt, Natur und Verbraucher verdienen Besseres. VON HANS PETER BRODÜFFEL Die Bezirksregierung Köln hat im Bürgerhaus Hürth die Ergebnisse der umfangreichen Ursachenermittlungen der seit achtzehn Monaten eingehenden Geruchsbeschwerden aus Hürth, Brühl und Erftstadt in einer fast dreistündigen Informationsveranstaltung detailliert vorgestellt. Hürth. Demnach konnten keine Überschreitung der gesetzlich vorge - schriebenen Geruchs-Im-Missionswerte festgestellt werden. Dennoch weist die Gesamtbewertung eine erhebliche Geruchsbelästigung auf. Diese lasse sich ableiten aus der Häufigkeit der Beschwerden, der Art der Gerüche sowie aus dem Auftreten der Geruchsbelästigung vor allem in den Abend- und Nachtstunden. Seit Beginn der systematischen Erfassung der Geruchsbeschwerden am 20. Mai 2022 wurden 1.173 Beschwerden dokumentiert. Rund 4001 Personen haben Eingaben vorgenommen. Die Gerüche wurden über - wiegend als faulig, säuerlich, metallisch und chemisch beschrieben. Als Hauptverursacher hat die Bezirksregierung Remondis und das Eisen- werk identifiziert. „Es sind Beschädigungen am Gebäude der Kompost- ierung, Öffnungen an der Hallenwand und Beschädigungen der Biofilter in der Tunnel-Kompostierung festgestellt worden", sagte eine Sprecher- in der Bezirksregierung. Entsprechende Sanierungsmaßnahmen seien bereits abgeschlossen. Ein Remondis-Sprecher betonte, dass man die Lektionen gelernt habe. Man wolle die Bürger entlasten und nicht belasten. Die Geruchsbelästigungen durch das Eisenwerk kommen laut Behörde nicht zuletzt durch das Lagern von gegossenen Motorblöcken im hei - ßen Zustand auf der Freifläche. Hier soll der Bau einer Pufferhalle zur Fassung und Behandlung der geruchsbelasteten Abluft für Abhilfe sor - gen. Matthias Pampus-Meder von der Geschäftsführung des Eisen- werks konnte in seiner Stellungnahme keine Verantwortung für die derzeitigen Geruchsbelästigungen erkennen. Man praktiziere ein inten - sives Be-schwerdemanagement und reagiere umgehend auf Be- schwerden. „Es werden mehrfach Befahrungen im Umfeld durchgeführt und ein Geruchskataster gepflegt." Janina Koch von der Brühler Initiative „Uns stinkt's !": „Gut, dass jetzt zwei Verursacher identifiziert wurden. Aber wir befürch - ten, dass der ekelhafte Gestank uns weiter belasten wird." Kölner Stadt Anzeiger FREITAG, 12. AUGUST 2022 Rhein-Erft Anwohner wehren sich gegen Gestank Gutachter ermitteln Geruchskorridore Wetterdaten auch berücksichtigt VON ANICA TISCHLER Brühl/Hürth. Fäulnisgeruch, mal süßlich, mal eher verbrannt oder che - misch. Es rieche nach vergorenem, kochendem Biomüll oder auch nach verbranntem Plastik mit Lösungs-mittel. So beschreiben Willi Koch aus Brühl-Heide und Susanne Geilen aus Hürth-Kendenich die unangenehmen Gerüche, mit denen sie sich seit über einem Jahr re - gelmäßig konfrontiert sehen. Es gebe zwar Bemühungen seitens der Behörden wie der Bezirksre- gierung Köln oder des Kreises, die Ursachen auszumachen, berichten sie. Aber das sei ihnen nicht genug, es fehle ihnen an Kommunikation mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern. Deshalb haben sie zu - sammen mit anderen Anwohnerinnen und Anwohnern aus Brühl und Hürth die Initiative "Uns stinkt's" gegründet. Denn nicht nur den beiden stinkt es. Viele Bürgerinnen und Bürger, hauptsächlich aus den Städten Brühl und Hürth sowie aus Erftstadt, be - schweren sich seit mehreren Monaten über immer wiederkehrende, teils ekelerregende Gerüche. Wo sie herkommen, ist nach wie vor ungeklärt. Seit Juli 2021 seien bis Mai 2022 über 800 Beschwerden über Ge- ruchsbelästigung bei der Bezirksregierung Köln eingegangen, sagte Dezernentin Nicola dieser Zeitung im Mai. Weil die Beschwerden nicht abrissen, führt seit Anfang des Jahres ein Gutachter-Team der Firma Aneco eine "Rasterbegehung" durch. 36 Messfelder in Brühl, Hürth und Erftstadt mit 95 Messstellen werden regelmäßig von den Gutachtern aufgesucht, die festgestellte Gerüche in eine Smartphone-App eintragen. Zusammen mit aktuellen Wetter- daten soll so ein Korridor der Gerüche erstellt und mögliche Quellen ausgemacht werden. Beauftragt sind die Gutachter von möglichen Verursa-chern des Geruchs, ihre Auftraggeber dürfen sie jedoch nicht nennen. Die Bezirksregierung Köln und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) begleiten die Begehung. Die Unterschiedlichkeit der Gerüche zu verschiedenen Zeiten er - schwert die Zuordnung. Das wissen auch Willi Koch und Susanne Geilen. "Unser oberstes Ziel ist es, dass es aufhört zu stinken", sagt Geilen. Vielen anderen gehe es auch so. Die Initiative erhalte immer mehr Zulauf, berichtet Koch. Mehr als 500 Betroffene unterzeichneten schon im Oktober Geilens Petition an die Behörden. Regelmäßig meldeten Geilen und Koch den Gestank über das Meldeformular "Geruchsbelästigung NRW". "In Brühl stinkt es auch mal tagsüber", so Koch. Nachts sei es am schlimmsten, sagt Geilen. Na- türlich ist das Geruchsempfinden immer auch individuell", sagt Geilen: "Manche riechen nichts, wenn es andere schon stört." Durchschnittlich mache sie drei Meldungen pro Woche, berichtet sie. Susanne Geilen und Willi Koch wüssten gerne mehr über die Raster- begehung und aktuelle Zwischenergebnisse. Die Begehung durch die beauftragten Gutachter läuft weiter. Wie die Bezirksregierung Köln auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte, ende die Erfassung am 21. August. Danach würden die Ergebnisse bis etwa Ende September ausgewertet. "Zwischenergebnisse können wir nicht öffentlich mitteilen", sagt Martin Kretzschmar vom Team der Gutachter. "Aber wir teilen unsere Meldungen regelmäßig mit dem Landesamt und der Bezirksregierung." Er ist vorsichtig optimistisch. "Es sieht so aus, als würden gerade Probleme gefunden werden, die damit zusammenhängen, und die im Begriff sind, beseitigt zu werden."

Macht scheint wichtiger als der

Mensch

Kölner Stadtanzeiger 05.05.2022 (Leserbrief von Graham Tomlin, Hürth) Zu "Gerüche belasten das Verhältnis" vom 28. April. Die verbreitete Empörung über den "Nachbarschaftsdialog" vom 26. April und den Artikel von Andreas Engels am 28. April ist verständlich und berechtigt. Nicht nur war die Veranstaltung selbst ein schlechtes Beispiel von Imagepflege und Kommunikation, sondern auch der Artikel war keineswegs eine ausgeglichene Darstellung des Ereignisses. Besorgte Bürgerinnen und Bürger wurden von den Veranstaltern unse - riös behandelt, sogar eingangs auch noch beleidigt. Berichtet wurde je - doch nur von den Belangen der Veranstalter. Von der extrem schlechten Organisation, von der Beleidigung, von sehr mangelhaften Projektionsfolien (unlesbar) und von der schlechten Tonverstärkung erschien kein einziges Wort. Der Artikel erschien im in - neren Teil der Ausgabe der Lokalredaktion für den Rhein-Erft-Kreis, was den Eindruck erweckt, dass Metalldiebstahl am Friedhof Gleuel ein wesentlich größeres Problem für die ganze Gesellschaft darstellt (siehe Ausgabe von 29. April). Es geht für die Bürgerinnen und Bürger nicht nur um den Gestank im Raum Hürth/Brühl, oder die hiesigen Altlastprobleme, sondern auch um regionale, zum Beispiel das Großfeuer in Leverkusen (Currenta) oder das Kerosinleck in Wesseling, und nationale, wie zum Beispiel Bitter- feld, Vorkommnisse. Das verlangt eine übergeordnete journalistische Betrachtung, und nicht lediglich eine einseitige Nebenbei-Betrachtung einer Abmilderung einer gefühlten Gefahr für die Allgemeinheit. Es handelt sich nicht um vereinzelte Probleme, sondern um die Summe aller solchen Problemen. Das bedeutet Kooperation, Transparenz und gute Kommunikation, vertikal und horizontal, zwischen Industrie und Wirtschaft, lokaler, regionaler und nationaler Politik, den Medien und den Bürgerinnen und Bürgern. Stattdessen empfinden Bürgerinnen und Bürger, dass die Verantwortung einfach immer weitergereicht wird: Vom Stadtrat zur Stadtverwaltung, nach oben zum Kreis, zur Bezirksregier- ung, zum Land und bis zum Bund. Und dann auch zurück nach unten. Analog dazu gilt das Bild auch für die Industrie. Studien werden erstellt und dann schwer zugänglich gemacht durch Copyright oder teure Ge- bührenerhebung vor Veröffentlichung. Politiker und Politikerinnen und Vertreter aus der Industrie erwecken in uns durch ihr Verhalten oft den Eindruck, dass es an Empathie für zum Beispiel Flutopfer mangelt, dass Macht wichtiger ist als Mensch, dass Gewinn wichtiger ist als Dienstleistung. Und dass die Bürgerinnen und Bürger bestenfalls einen verschwommenen Durchblick bekommen sollen. Leider hat der Artikel nicht zum besseren Durchblick beigetragen. Das ist schlechte Kommunikation, die zum Vertrauensverlust und zur Politik- verdrossenheit führt. Das spaltet die Gesellschaft - eine Gesellschaft, die es verdient, ernst genommen zu werden. Datenschutz Kontakt/Impressum